Bus-Ergonomie-Matrix für eine umfassende Bewertung des Fahrerarbeitsplatzes
Möchten Sie mehr über die Ergonomie des Fahrerhauses von Bussen und deren Entwicklung erfahren?
Entdecken Sie die wichtigsten Ergebnisse einer Studie, die die Ergonomie von Bussen misst und bewertet.
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1. Was ist das Thema dieser Studie?
Diese Studie befasst sich mit der Ergonomie des Arbeitsplatzes von Busfahrern und Busfahrerinnen, d. h. dem Busfahrerhaus.
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2. Warum wurde diese Bevölkerungsgruppe ausgewählt?
In einer früheren Studie haben wir festgestellt, dass die häufigsten Probleme bei Busfahrern Muskel-Skelett-Beschwerden wie Schulter- und Rückenschmerzen sind. Diese Schmerzen werden in der internationalen Literatur oft mit der Ergonomie des Arbeitsplatzes in Verbindung gebracht. Da wir keine Daten zur Ergonomie von Bussen in der Schweiz hatten, haben wir Messungen in Bussen durchgeführt.
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3. Wie lässt sich die geringe Anzahl an Studien zu diesem Thema erklären?
Es gibt zwar einige Studien, diese basieren jedoch überwiegend auf menschlichen Probanden – wie es in der Ergonomie typischerweise der Fall ist –, sodass die Ergebnisse weder direkt verglichen noch auf andere Kontexte übertragen werden können. Diese Arbeiten konzentrieren sich in der Regel auf eine begrenzte Anzahl von Teilnehmern, meist ausschließlich Männer, und liefern nur selten detaillierte Informationen über die verwendeten Busse. Unser Ansatz unterscheidet sich somit von der klassischen Ergonomie, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und auf einer starken Personalisierung basiert.
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4. Was ist das Ziel dieser Studie?
Das erste Ziel ist es, ergonomische Bewertungen für verschiedene Körperteile zu erstellen. Das zweite Ziel ist es, die für eine begrenzte Anzahl von Bussen erzielten ergonomischen Bewertungen auf die gesamte Schweizer Busflotte auszuweiten.
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5. Wie sind Sie bei der Durchführung dieser Studie und der Erzielung Ihrer Ergebnisse vorgegangen?
Auf der Grundlage wissenschaftlicher Literatur und in Zusammenarbeit mit Ergonomen von Unisanté haben wir ein Datenblatt mit zu messenden Parametern (z. B. Größe des Wertes, Höhe der Kopfstütze, Länge der Sitzfläche, Kontrast der Piktogramme auf dem Armaturenbrett usw.) im Businnenraum erstellt. Diese Parameter wurden dann in Ja/Nein-Variablen umgewandelt (Einhaltung der Empfehlungen/Nichteinhaltung der Empfehlungen). Die Punktzahlen für die verschiedenen Körperteile (gesamt, visuell, Schultern, Oberkörper, Rücken, Unterkörper) wurden berechnet, indem der Durchschnitt der Ja-Variablen (=1) /Nein-Variablen (=0) mit Gewichten (je nach Risiko und Häufigkeit) gebildet wurde. Die Punktzahlen reichen von 0 bis 100, wobei 100 für ergonomischere und komfortablere Fahrzeuge steht.
Die Ergonomie-Punktzahlen werden in 10 Bussen gemessen und dann auf den gesamten Schweizer Busbestand übertragen. So erhält man die Bus-Ergonomie-Matrix.
Um die Entwicklung der Ergonomiewerte in der Schweiz zu ermitteln, wird die Bus-Ergonomie-Matrix mit einer simulierten Flotte abgeglichen, die auf Daten zur Zusammensetzung der Busflotte (nach Motorisierung) des Bundesamtes für Verkehr basiert.
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6. Was kam dabei heraus und wie interpretieren Sie das?
Die Bus-Ergonomie-Matrix enthält 705 Busse und die Gesamtwerte (alle), Werte für das Sehvermögen, die Schultern, den Oberkörper, den Rücken und den Unterkörper.
Alle Ergonomiewerte haben sich zwischen 1970 und 2025 verbessert. Die geringste Verbesserung betrifft den Wert für den Unterkörper, der von 44 im Jahr 1970 auf im Jahr 2025 gestiegen ist. Der stärkste Anstieg ist bei der Bewertung des Oberkörpers zu beobachten, die von 11 im Jahr 1970 auf 90 im Jahr 2025 gestiegen ist. Im Jahr 2025 liegen die Gesamt-, biomechanischen, Schulter-, Oberkörper- und Rückenbewertungen über 80, während die Bewertungen für das Sehvermögen und den Unterkörper bei 69 bzw. 70 liegen.
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7. Welche Schlussfolgerung haben Sie daraus gezogen?
Alle Werte haben sich verbessert, was dazu führen dürfte, dass die Busse komfortabler und ergonomischer werden. Dies trifft zu, wenn der/die Fahrer/in Zeit hat, seinen/ihren Arbeitsplatz vor der Fahrt einzustellen.
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8. Was sind die Stärken und Grenzen dieser Studie?
Eine der Stärken der Studie ist die Erstellung einer Bewertung auf der Grundlage objektiver Parameter. Dies ermöglicht den Vergleich zwischen den Bussen. Eine weitere Stärke ist die Zusammenarbeit mit den Ergonomen von Unisanté, die wertvolles Fachwissen eingebracht haben. Die letzte große Stärke dieser Studie ist die Verwendung fortgeschrittener Statistiken für die Modellierung der Bewertungen für alle Busse im Bestand. Diese Methode, die als integrierte verschachtelte Laplace-Approximation (INLA) bezeichnet wird, verwendet mathematische Abkürzungen von Simulationsmethoden und ermöglicht eine schnelle und zuverlässige Analyse von Daten in komplexen Situationen. Konkret ermöglicht dies ein besseres Verständnis der Zusammenhänge zwischen den Merkmalen der Busse und den ergonomischen Bewertungen, während gleichzeitig viel Rechenzeit eingespart wird und die Ergebnisse präzise bleiben.
Eine der Einschränkungen der Studie besteht darin, dass die gesamte Modellierung der Ergonomiebewertungen auf nur 10 Bussen basiert. Mit mehr Bussen hätten präzisere Ergebnisse erzielt werden können. Eine weitere Einschränkung besteht darin, dass keine Messungen in Minibussen vorgenommen wurden. Da sich deren Technologie zu sehr von der anderer Busse unterscheidet, konnten wir keine Expositionswerte für Minibusse modellieren. Die Bus-Expositionsmatrix enthält daher keine Minibusse. Eine weitere Einschränkung besteht darin, dass wir zwar den Ergonomie-Score der Busse kennen, also wissen, inwieweit ein ergonomischer Arbeitsplatz möglich ist, aber nicht wissen, ob der/die Fahrer/in seinen/ihren Arbeitsplatz ergonomisch einrichtet.
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9. Hatte diese Studie irgendwelche Auswirkungen?
Diese Studie ermöglicht die Entwicklung eines Messinstruments auf der Grundlage der gefahrenen Busmodelle. Es wird möglich sein, Ergonomie-Werte anhand von Fragebögen zu ermitteln, die die Geschichte der im Laufe einer Karriere gefahrenen Busse enthalten.
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10. Was ist Ihrer Meinung nach der nächste logische Schritt nach dieser Studie?
Diese Bus-Ergonomie-Matrix wird es ermöglichen, den Zusammenhang zwischen der Arbeitsumgebung und verschiedenen Gesundheitsproblemen wie Muskel-Skelett-Beschwerden bei Busfahrern zu untersuchen. Dieses Instrument wird in neuen Studien zum Einsatz kommen.